"Mich interessiert das Archaische"

Shownotes

Wer von Sachseln aus in den Ranft hinuntersteigt, braucht keine zwanzig Minuten. Zwanzig Minuten – und doch war dieser Weg für eine Familie ein Abschied für immer.

Über Niklaus von Flüe ist viel gesagt worden: über den Friedensstifter, den Ratgeber, den Asketen. Deutlich weniger reden wir über die, die er zurückliess. Über Dorothea Wyss. Über zehn Kinder. Über eine Ehe, die diesen Aufbruch aushalten musste.

Der Gast dieser Folge hat genau da angesetzt. Joël von Moos, Jahrgang 1991, ist wie Niklaus in Sachseln geboren. Aufgewachsen also im Schatten des Ranft. Als Sänger der Luzerner Kantorei kam er früh mit Kirchenmusik und Oper in Berührung; mit siebzehn entdeckte er als Dirigent des Jodlerklub Arnigrat die Schweizer Volksmusik für sich. Seit 2015 arbeitet er selbständig als Komponist – an der Schnittstelle von Klassik und Volksmusik, wobei es ihm ausdrücklich nicht um einen Stilmix geht, sondern darum, beides organisch zusammenzuführen.

Zum Gedenkjahr – 600 Jahre Niklaus von Flüe – schrieb er «Dorothea. Kantate zu Ehren des Niklaus von Flüe», uraufgeführt im Oktober 2017 in Sachseln. Ein Werk, das dieses zweijährige Beziehungsdrama in eine eigene Text- und Tonsprache übersetzt – Niklaus selbst erscheint darin nicht als Solist, sondern als Chor von Männerstimmen. Es folgte «Totämäss», das erste Requiem in Schweizer Mundart, 2023 im Berner Münster uraufgeführt.

Über Heiligkeit lässt sich predigen. Man kann sie aber auch komponieren. Wie klingt ein Mann, der geht? Und wie klingt die Frau, die bleibt?

Joël von Moos bei "Bruder Klaus - Der Podcast".

Joël von Moos live erleben:

Konzertreihe «DOROTHEA – Kantate zu Ehren des Niklaus von Flüe» mit Nadja Räss, Wolfgang Sieber, LUZERNER KANTOREI, Orchester Santa Maria, Leitung: Eberhard Rex 07.11.2026: Luzern 08.11.2026: Bern 13.11.2026: Winterthur 14.11.2026: Einsiedeln 15.11.2026: Sachseln

Tickets und weitere Informationen unter www.dorothea.ch

Transkript anzeigen

00:00:03:

00:00:28: Oder Klaus, der Podcast.

00:00:31: Ein Gespräch über den heiligen Nikolaus von Flühe, seine Frau Dorothee und warum er auch heute noch an ihn glauben kann!

00:00:40: Wer von Sachsen aus in den Rand hinuntersteigt braucht keine zwanzig Minuten.

00:00:46: Zwanzig Minuten – doch war dieser Weg für eine Familie ein Abschied für immer.

00:00:53: Über Niklaus von Flöhe ist viel gesagt worden über den Friedensstifter, den Ratgeber, den Asketen.

00:01:00: Deutlich wenige reden wir über die, die er zurückließ.

00:01:04: Über Dorothea Wiss.

00:01:05: Über zehn Kinder.

00:01:07: Über eine Ehe, die diesen Aufbruch aushalten

00:01:10: musste.".

00:01:11: Mein heutiger Gast hat genau da angesetzt.

00:01:14: Joël Formos, Jahrgang, deiner Jägerin, ist wie Niklaus in Sachseln geboren – aufgewachsen also im Schatten des Ranfts.

00:01:24: Als Sänger der Lucerna Cantorei, kam er früh mit Kirchenmusik und Opernberührung.

00:01:30: Mit siebzehn entdeckte er als Dirigent des Jodler Club Arniegrat die Schweizer Volksmusik für sich.

00:01:37: Saal zweitausendfünfzehn arbeitete er selbstständig als Komponist an der Schnittstelle von Klassik und Volksmusk.

00:01:43: Probei ist ihm ausdrücklich nicht um einen Stilmix geht sondern darum beides organisch zusammenzuführen.

00:01:51: Zum Gedenkjahr Sechshundert Jahre Niklaus von Flühe schrieb er Dorothea, Kantate zu Ehren des Niklaus Von Flüe.

00:01:59: Uher aufgeführt.

00:02:00: im Oktober zwei Tausend Siebzehn in Sachsen – ein Werk das dieses zweijährige Beziehungsdrama in eine eigene Text- und Tonsprache übersetzt.

00:02:11: Niklaus selbst erscheint darin nicht als Solist sondern als Chor von Männerstimmen.

00:02:16: Es folgte Totemes, das erste Requiem in Schweizer Mundart, im Berner Münster Uraufgeführt.

00:02:26: Über Heiligkeit lässt sich predigen!

00:02:28: Man kann sie aber auch komponieren – wie klingt ein Mann der geht und wie klingt die Frau, die bleibt?

00:02:36: Joel Formos bei Bruder Klaus, der Podcast.

00:02:54: Heute sind wir in der Nähe der schweizerischen Landeshauptstadt

00:02:57: Bern

00:02:58: zu Gast bei einem jungen Komponisten.

00:03:03: Joel von Moos, Joel du bist vierunddreißig Jahre alt.

00:03:08: ich musste das gerade erst mal fragen und wir sind hier in deinem Atelier.

00:03:13: wie kommt das?

00:03:16: frage ich jetzt mal als musikalischer weitgehender Laie was treibt jemanden an in deinem Alter sich mit ernster Musik zu befassen?

00:03:28: Herzlich willkommen hier in Schwarzenburg, in meinem kleinen aber feinen Atelier.

00:03:34: Es ist wirklich sehr gemütlich, muss man sagen.

00:03:36: wir sind ein älteres Haus mit hellen aber niedrigen Decken.

00:03:40: überall stehen Gitarren in den Ecken und man spürt sofort hier geht es um Musik und eine Komposition.

00:03:46: das atmet das ganze Gebäude und du atmest das irgendwie auch.

00:03:51: Ja und wenn du meinen Alter ansprichst, also ich würde mich eigentlich fast schon eher jetzt alt schätzen.

00:04:02: Du hast zwar einen Vollbad ja aber auch lange Haare.

00:04:06: so gesehen der perfekte Mix.

00:04:10: Ein Komponist muss auch ein bisschen aus solcher daher kommen.

00:04:13: visuell nein als ich das Dorothea-Werk komponiert habe, mein erstes ernstes Werk eigentlich.

00:04:23: Das war vor zehn Jahren und deswegen sage ich, ich bin eigentlich jetzt schon viel älter geworden und auch reifer geworden und hab mich aber schon damals an diesen Stoff gewagt über den wir ja heute sprechen also quasi diese Geschichte zwischen Bruder Klaus und seiner Frau Dorothe Wies.

00:04:44: Also ich schaue jetzt nach zehn Jahren schon wieder ganz anders eigentlich auf diese Komposition, auf dieses Werk zurück und auch auf die Kompositionsphase oder auf mein Alter in dem das Werk entstanden war.

00:04:57: Ja dann schauen wir doch noch mal zehn Jahre zurück.

00:04:59: da warst du dann vierundzwanzig?

00:05:01: Und hast dich mit Bruder Claus und Dorotewies... ...und hast sich mit dem Thema befasst und hast den Entschluss gefasst daraus einen ernstes musikalisches Werk zu komponieren.

00:05:17: Woher kam der Impuls?

00:05:19: Das war damals im Rahmen von diesem Mehrranft-Gedenkjahr, zu sechshundert Jahren Bruder Klaus oder Niklas von Flühe.

00:05:28: Der war sechshundert Jahre zuvor geboren worden und da wurden eigentlich in diesem national ausgerichteten Gedenkjar Mitmachprojekte gesucht und ich habe mich als gebürtiger Sachsler dann mit diesem Bruder Klaus beschäftigt in diesem Rahmen und habe mir dann als Thema eben eigentlich diese Beziehungskrise zwischen Bruder Claus und Dorothevis außer Chor und damals.

00:05:57: Als Projekt!

00:05:59: Trotzdem muss man sich dem ja auch inhaltlich annähern, das wäre jetzt einfach meine Frage wie schafft man es junge Menschen für die sehr komplexe Thematik?

00:06:13: Einsiedellei, Heiligkeit, Religiosität, Rückzug, Suche nach Gott.

00:06:21: Ist das etwas was einfach da sein muss oder kann man sich dem auch bewusst annähern?

00:06:29: Also ich denke ich habe mich bewusst nicht an solche komplexen Themen rangewagt sondern ich habe eben mich mit den Menschen Niklaus von Flühe und Dorothevis beschäftigt nicht mit den Konzepten.

00:06:48: Ich finde es ist immer, gerade bei Bruder Klaus wird heute häufig eigentlich über das Konzept Bruder-Klaus gesprochen aber so verpackt als würde man über den Menschen Bruderklaus sprechen und das kann man in der heutigen Zeit gar nicht mehr.

00:07:03: also wenn man kein Zeitgenosse war kann man nicht über Bruder Claus aus Mensch sprechen.

00:07:11: Ich habe trotzdem halt versucht, eigentlich wie den Menschen zu erkennen in diesen ganzen Erzählungen und so weiter.

00:07:23: Und ich habe mich gefragt Wie ist es dem Menschen Nikolaus von Flühe?

00:07:28: Und wie ist das der Menschen Dorothevis ergangen als eben dieser fünftigjährige Familienvater dann gesagt hat er verlassen jetzt die Familie für immer.

00:07:43: Du sagst es gerade eingangs, du bist gebürtiger aus Sachseln?

00:07:47: Wie ist das wenn man als Kind und Jugendlicher in Sachsen und in der Nähe des Ranft aufwächst?

00:07:53: Ist Bruder Klaus und sind Dorothevis, ist die Themengemengelage da ständig präsent?

00:08:01: Räumlich ist sie das ja aber macht man sich das auch bewusst, wenn man dann aufwächst?

00:08:08: Also es kommt, denke ich stark darauf an.

00:08:10: Ich denke die meisten haben oder die meisten Jungen mit Bruder Klaus zuerst zu tun weil sie am Bruder-Klausentag frei haben und dann in den Europapark rustfahren.

00:08:25: aber Bruder klaus ist halt... Es war jetzt mehr ein Witz er ist mehr.

00:08:30: also er ist viel präsenter als man denkt weil er liegt ja beispielsweise in der Sachsler Kirche Dort, also die Gebeine liegen dort und es ist wie... Ja Bruder Klaus ist eigentlich sehr präsent an diesem Ort.

00:08:49: Und er ist auch bei den Obwaldnern eigentlich sehr Präsent denke ich.

00:08:56: Nimmt man das als Jugendlicher auch so an oder sagt man sich naja gut okay jetzt habe ich einen freien Tag schön?

00:09:02: reflektiert man das auch mal, dass man da doch den Schweizer Patronheiligen sozusagen in seiner Gemeinde hat oder spielt es nicht so eine Rolle im Alltag?

00:09:11: Ich denke wenn man wirklich jung ist, ist man wie fasziniert wahrscheinlich von solchen Geschichten wie das er eben gefastet hat.

00:09:20: Oder ein Running Gag ist eigentlich immer wieder der Stein fehlt der das Kopfkisten eigentlich sein sollte, von Bruder Klaus da in der Klause.

00:09:34: Da müssen dann immer die Gemeinde mit Arbeitenden einen neuen Stein holen und den da wieder hintun.

00:09:43: Es sind eher solche Geschichten, die diese Legende von Bruder Klaus ausmachen.

00:09:49: Und mich hat aber eben nicht diese Legendenbildung interessiert, sondern wirklich wie man als Mensch mit so einer Aufgabe wohl umgegangen ist und habe dann eben in diesem Werk Dorothea kannte zuhören das Niklas von Flüe versucht.

00:10:12: Diese Vorgänge die sich im zweijährigen Abschiedsprozess zugetragen haben psychologisch fasslich darzustellen und habe das dann in Musik gepackt, um den Leuten quasi rüberbringen zu können.

00:10:32: Wie bist du zur Musik gekommen?

00:10:36: War das früher an bei dir?

00:10:38: Steckte das immer schon in dir?

00:10:39: oder wie war dein Weg zum Komponisten der du heute bist?

00:10:47: Also der Weg zum Komponisten führt für mich so ein bisschen durch mehrere so Ausbildungsgänge oder Versuche, aber nie eigentlich diesen der Komposition.

00:11:01: Also ich habe verschiedene Sachen auch studiert und habe letztlich einen Abschluss in Medienwissenschaften und Germanistik gemacht.

00:11:11: Und wo?

00:11:13: Das war in Freiburg da in der Nähe, wo wir uns jetzt dach befinden.

00:11:18: Ja und habe eigentlich nie Komposition studiert, aber ich habe dann auch nach vielen Jahren graviert spielen und roh singen selber dann ensembles geleitet.

00:11:33: Und habe dann einfach gemerkt dass sich das ja wie als beruf eigentlich ausüben möchte und habe das danach

00:11:44: gemacht.

00:11:46: wir müssen mal auf die Art deiner Komposition zu sprechen kommen.

00:11:50: Wir werden uns hier im Podcast hören, wir werden Beispiele einspielen.

00:12:01: Wir müssen natürlich Dorothea einspilen weil das ist so eine Art Ohne despektierlich sein zu wollen, aber schon so eine Art Gassenhauer.

00:12:11: Es wird gern gehört und viel gehört und dann wird es auch im Herbst diesen Jahres nochmal wieder in Sachsen zu hören bekommen.

00:12:18: man kann das auch überall hören wo es gute Musik gibt also zum Beispiel auch bei YouTube und Spotify aber wir werden sie ja auch noch mal einspielen.

00:12:27: Aber wie würdest du denn deine art zu komponieren?

00:12:31: die Art, was du da produzierst.

00:12:34: Wie würdest Du das beschreiben?

00:12:35: Denn es ist ja doch schon ernste Musik aber es ist ganz modern interpretiert.

00:12:43: Ja, das ist eine schwierige Frage.

00:12:47: Ich denke ich versuche... also ich bin musikalisch sehr vielseitig interessiert stilistisch und ich versuch eigentlich beim Komponieren immer der Musik nicht wie ein Korsett anzulegen, sondern wie die Musik sich frei entfalten zu lassen.

00:13:07: Und das ist dann immer gerade bei Eigenproduktionen habe ich wie die Freiheit einfach weiterzuschreiben und weiterzus schreiben und sich das entwickeln zu lassen wenn da keine Vorgaben gemacht werden.

00:13:25: Es ist dann immer die Musik, die am kraftvollsten ist weil ich keine Kompromisse machen muss.

00:13:37: Ich muss nur auf meine Intuition vertrauen und kann sämtliche künstlerischen Entscheidungen selber treffen.

00:13:48: Das merkt man auch bei der Dorothea-Kantate da sie sehr rund ist.

00:13:55: also es stimmt auch die Dramaturgy Für mich, so wie sie sich präsentiert und es ist wie in sich stimmig aus Gesamtwerk.

00:14:08: Und ich glaube deswegen berührt das auch die Leute dann im Konzert umso mehr wenn Sie nämlich dann alles am Stück live hören können.

00:14:49: Man kann ja schon hören wo diese Musik entstanden.

00:14:52: Sie hat ja schon einen ziemlich schweizerischen Einschlag.

00:14:54: Wie wichtig ist dir das dass man das hört?

00:14:57: überhaupt nicht wichtig.

00:14:59: Also das ist eben jetzt so ein Beispiel, also es gehört für mich halt einfach dieses archaische, dass Jodeln gehört zu dieser Geschichte dazu weil gerade dort wo dann die Worte nicht mehr ausreichen, dort beginnt diese Dorothea eigentlich zu jodeln oder ohne Text ihre Stimmung quasi wie zu transportieren.

00:15:29: Also es gibt wie quasi Aarien, wo dann die... Wie in der Oper eigentlich die Befindlichkeiten der Figuren dann stärker ausgedrückt werden.

00:15:40: und dafür eignet sich halt in diesem Zusammenhang diese Form des Iodels, diese Form der Schweizer Volksmusik, die aber völlig unpoliert ist.

00:15:56: Wir sind hier in der Schweiz, dass das Jodeln allgegenwärtig im Süddeutschland Österreich auch.

00:16:05: Aber wir haben ja viele Hörerinnen und Hörern die das gar nicht kennen und die damit auch vielleicht gar nichts anfangen können oder einfach damit noch nie in Berührung gekommen sind.

00:16:15: Beschreib uns doch mal!

00:16:16: Jodlen was ist das?

00:16:18: Also die technische Beschreibung wäre eigentlich diese dieser Wechsel zwischen Brust und Kopfstimme, wo es da so einen Schlag gibt.

00:16:34: Aber ich möchte mich da wirklich nicht zu weit heraus sagen, da gibt es Leute die das mittlerweile studiert haben.

00:16:44: Für mich ist eigentlich Jodeln diese Form oder ich bezeichne Jodlen als diese Form des Gesangs, die sich auch auf anderen in vielen Gegenden eigentlich vorkommt auf der Welt.

00:17:01: Also diese Art des Naturgesanges ist das für mich und Jodeln ist für mich keinesfalls die erst vor irgendwie hundert Jahren entstandene quasi salofäge Form von viersetzigen Männer gehören, wobei viele dies als Jodlen bezeichnen würden.

00:17:26: Also

00:17:27: mit dem rudimentären Wissen, das ich habe weiß ich ist es ja eigentlich eher eine Kommunikationsform.

00:17:32: Es ging ja eigentlich ursprünglich darum dass man sich über Weiterentfernung in den Alpen, in diesem Falle miteinander in Beziehung setzen konnte richtig?

00:17:42: Ja so habe ich das auch gelesen oder gehört.

00:17:46: Ich denke Jodeln ist einfach etwas wie ungekünsteltes Singen Und mittlerweile wird das ja auch wirklich gelehrt, wie man richtig jodelt ohne seine Stimme kaputt zu machen.

00:18:03: Das finde ich schon noch sehr wichtig muss ich sagen.

00:18:08: Aber mich persönlich interessiert wirklich das archaische daran und ich verflächte das in meinen Werken.

00:18:17: Das sind immer archaiche Elemente und es ist weniger Kunstmusik.

00:18:22: Die Kunstmusika ist eher dann der klassischen Teil den ich da rein arbeite.

00:18:27: Also Jodeln ist etwas faszinierendes, deshalb weil es ja weitgehend unbekannt war aber natürlich eine gewisse Bekanntheit erlangt hat so in den siebziger-achtziger Jahren aber eher als Verballhornung Vico von Bülow alias L'Orio das Jodeldiplom.

00:18:46: ein Präuße macht sich lustig über das Joodeln Aber viele kennen das.

00:18:53: Da ist es doch umso interessanter, dass es jetzt hier wieder Menschen gibt die sich dem sehr ernsthaft annähern und ganz bewusst das Einbauen in das was sie heute tun.

00:19:04: In diesem Falle, in deinem Falle klassische Musik zu komponieren

00:19:09: Ja also dazu muss ich noch sagen Die Dorothea wird verkörpert von Nadja Reis.

00:19:16: Sie ist eigentlich wie die Grande Dame des Jodhunds in der Schweiz.

00:19:20: Sie isst Hochschulprofessorin für Jodl und sie hat jetzt einen sehr, sie hat vieles unternommen und war federführend eigentlich darin das jodeln ins immaterielle Kulturerbe der UNESCO mit aufzunehmen.

00:19:43: Und ja sie singt bei uns die Dorothea was natürlich Fantastisch ist.

00:19:50: Und ich habe vor zehn Jahren das Stück für sie geschrieben und ja, ich habe es ihr eben auf den Live geschrieben und so eigentlich intellektuell wie Sie auch mit dem Jodeln umgehen kann, so gespürig würde man in der Schweiz sagen singt sie eben oder interpretiert sich diese Dorothea?

00:20:14: Und das ist... Einflüge

00:20:15: zusammen,

00:20:16: ne?

00:20:16: Ja sehr!

00:20:20: Ja, es gibt eine intellektuelle Herangehensweise.

00:20:23: Aber du hast das vorn so schön beschrieben Wenn die Worte nicht mehr ausreichen dann kommt das Jodeln.

00:20:34: In der Bibel gibt's ja die Stelle wo man dann in Zungen redet und ist ja auch noch ne Art der Gebetsform Die in Manchen Kirchen oder in manchen Bereichen Der katholischen kirche auch noch seinen Platz hat.

00:20:51: Kann man das damit vergleichen?

00:20:56: Also ich denke, ja... Ich habe letztes Mal irgendwie bei einem Interview mit reformiert.

00:21:06: Jodeln ist ein gesungenes Gebet irgendwie so einfach rausgelassen.

00:21:13: aber Ja, ich denke Man kann jodeln schon wie ein Gebet auch sehen.

00:21:26: Also, weil der meditativen Teil davon denke ich kann man damit vergleichen.

00:21:41: Als ich gestern jemandem sagte morgen fahre ich zu Shoel von Moos Komponist dann hieß es gleich, das war jemand aus Sachsen die dich kannten und sagt Toll, toll was der leistet.

00:21:56: Toll was er komponiert hat.

00:21:58: und jetzt hat er ja auch ein Requiem entwickelt.

00:22:01: Wie kann man in dem Alter?

00:22:04: Wie kann wann das?

00:22:05: Ein Requiem schreiben mit Mitte dreißig geht das!

00:22:09: Was soll da noch kommen?

00:22:12: Ja nach dem Requiem...

00:22:14: Also bei Mozart kam dann doch nichts mehr nicht mal das Requiem zu Ende

00:22:17: bekommen.

00:22:18: Genau, genau.

00:22:21: Der ist glaube ich mit fünfunddreißig gestorben, wenn ich mich recht erinnere.

00:22:27: Ja, ich habe mir noch nie solche Gedanken gemacht zu irgendwie Alter oder irgendwie keine Ahnung.

00:22:36: also mich... Ich mache eigentlich immer die Sachen, die mich am meisten interessieren und die mich nicht loslassen.

00:22:45: da weiß ich dass sich mehr rein schauen soll.

00:22:52: Manchmal entsteht dann etwas daraus.

00:22:56: Und bei diesem Requiem, das war schon so ein Prozess... Also ich mache nicht gerade Method-Composition aber es ist schon so etwas wie beim Method Acting in der Schauspielkunst dass mich eigentlich diesen Stoff, also mich mit diesem Stoff sehr stark auseinandersetzen und über lange Zeit Die eigentliche Arbeit des Komponierens entsteht bei mir, oder die findet da statt.

00:23:31: Wo ich nicht am Klavier sitze und etwas komponiere, sondern als Komponist brauche ich in erster Linie eine künstlerische Vision und eine Meinung, eine Haltung.

00:23:43: Und die muss sich erst entwickeln aus einer Haltung zu einem gewissen Stoff wie zum Beispiel zum Requiemstoff.

00:23:52: Zum Tod dann in diesem Falle?

00:23:53: Zum Tod, genau.

00:23:55: Und ich habe den auf verschiedene Arten und Weisen betrachtet... ...und ja, hab dann daraus das Requiem geschrieben.

00:24:07: Also du nährst dich den Stoffen an,... ...das hast Du dann offensichtlich mit Bruder Klaus und Dorothevis auch getan.

00:24:13: Auf deinem Tisch liegt noch ein wirklich sehr... Intensiv belesenes Buch, eine Ausgabe von der Aussteiger Bruder Klaus für Skeptiker.

00:24:23: Von Katrin Benz ein Klassiker einer ganz eigene Perspektive auf Bruder Claus.

00:24:32: Daraus ergibt sich für mich die Frage ja wie viel Musik steckt in diesen Kompositionen und wieviel Glaube?

00:24:47: Ja also Glaube Ich denke, ich stecke nicht darin.

00:24:51: Obwohl... ...ich halte es wie Jimmy Hendrix's Music Is My Religion.

00:24:59: Das erhalte ich mich wirklich ein bisschen daran weil man sieht überall auf der Welt gibt es verschiedene Religionen und alle glauben quasi.

00:25:12: Und ja, es ist... Man wird ja immer auch so gezwungen, ein bisschen eine Religion zu wählen.

00:25:26: Und so habe ich mich jetzt eigentlich wie der Kunst verschrieben oder der Musik verschrieben und praktiziere das eigentlich aus meiner Religion wo ich eigentlich Wahrhaftigkeit und eben eine Haltung und quasi viele verschiedene Werte damit lebe die vielleicht andere beim Praktizieren ihrer Religion vielleicht ausüben.

00:25:55: Ja, ich denke auch Bruder Klaus war zwar ein Christ aber er hatte halt viele, viele so... Es waren keine Mystiker oder?

00:26:10: Von daher.

00:26:13: Also es ist ja doch trotzdem bleibt das ein ernstes Thema, wo der Klaus, der Mystiker, der Eremit die Krise in der Ehe und diese dramatische Entscheidung, der gesamten Familie.

00:26:31: Das sind ja ernste Themen und du machst ernste Musik.

00:26:33: Du machst Klassik.

00:26:34: gleichwohl sitzt hier bei dir aus könnte auch ein Rockmusikkomponistenstudio-Atelier sein.

00:26:41: Könnt es auch sehr gut als Rockmusiker moderner Musiker durchgehen aber trotzdem Bewegst du dich da ja schon in der Nische?

00:26:53: Ist das auch eine bewusstgewählte Entscheidung?

00:26:56: Also ich bin ja Schlagzeugerin einer Rockband.

00:27:00: Wie heißt die Band, das müssen wir jetzt nochmal sagen damit Leute die Chance haben das bei Spotify zu suchen.

00:27:06: Paradise Kit Die Band heisst Paradise Kit und wir machen Stadionrock sind aber noch eigentlich selten aus dem Bandraum rausgekommen Und es ist jetzt gerade ein Album unterwegs, das wir jetzt gerade wo ich natürlich auch mitkomponiere.

00:27:23: Also ich mache auch elektronische Musik und eigentlich die Musik, mit der ich am meisten heraustrete, das sind schon diese Ernstenwerke.

00:27:39: Das ist so wie meine Arbeit.

00:27:41: aber als Künstler bin ich eigentlich sehr vielseitig unterwegs musikalisch.

00:27:48: Ich denke, je vielseitiger man ist, desto mehr Register kann man ziehen.

00:27:59: Mehr hat man zur Verfügung.

00:28:00: also ich finde da wie mehr ist mehr.

00:28:05: Wie gut kann man als junger Schweizer Musiker aus Sachsen stammend und in der Schweiz unterwegs sein?

00:28:17: Wie gut Kann Man von Musik Leben in diesen Tagen, heutzutage.

00:28:21: Man kann sehr schlecht von Musik leben also von Musik alleine sowieso nicht.

00:28:27: deswegen haben wir da ein riesiges Ungetüm von Konzertdreien und mehrfacher Vermarktung irgendwie immer hinten dran mit einem eigenen Verlag und so einen Produktionsbüro und da versuchen wir eben seit zehn Jahren professionell Musik zu machen.

00:28:54: Ein Dokumentarfilmer begleitet uns auch schon seit zehn Jahren und ich kann nur so viel sagen, dass diese zehn Jahre Dorothea-Kantate dieses Jubiläum dann auch wie ein organisches Ende dieser Dokumentation sein wird.

00:29:15: also dieser Dokfilm zu Ende erzählt und ich kann vielleicht ein bisschen vorweg nehmen.

00:29:24: Strukturell hat es leider nicht gereicht, auch nach zehn Jahren nicht von der Musik leben zu können und so müssen wir wohl ab nächstem Jahr neue Formen überlebenskunst anwenden

00:29:46: Stück weit auch das Los des Künstlers, das Brot des Künders ist ein hartes.

00:29:53: Ja und trotzdem traue ich mich zu fragen was kommt als nächstes?

00:29:57: Was hast du in der Pipeline und wie eng bleibt deine Verbindung mit Bruder Klaus und Dorothe Wies?

00:30:05: Es ist eigentlich so.

00:30:06: für dieses zehn Jahre Jubiläum habe ich mich noch mit Christian Siedler vom Museum Bruder Claus zusammengesetzt weil eine kleine Publikation machen.

00:30:19: Wir haben auch tolle Fotos und so weiter aus diesen zehn Jahren, ja es hat sich dann eigentlich bei diesem ersten Treffen herausgestellt dass im Jahr zwanzig dreißig eigentlich sechshundert Jahre die Dorothevis Geburtstag verhindern würde.

00:30:37: Und jetzt haben wir eigentlich wie ich kann von vielleicht so viel sagen bereits eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die sich mit einem möglichen Gedenkjahr auseinandersetzen zu Dorothea Wies.

00:30:51: Und ja wir sind jetzt eigentlich wie gerade dabei das alles ein bisschen aufzugleisen und an der Derniere der Dorotheakantate kommt auch das Jubiläumsjahr des Museums zu einem Ende, Fünfzig-Jahrmuseum Bruder Klaus.

00:31:10: Und dort haben wir eigentlich wie einen gemeinsamen Anlass geplant, der vielleicht sogar dieses Gedenkjahr-Zwanzig-Dreißig dann noch ein bisschen initiieren soll.

00:31:21: Also können wir alle noch Hoffnung haben das da trotzdem es schlecht ist davon zu leben dass sich das nicht davon abhält kreativ zu sein und kreativen Outputs zu liefern auch im Zusammenhang mit Bruder Klaus Und hoffentlich auch noch ganz viel dazwischen.

00:31:44: Schoel, vielen Dank für deine Zeit und für deine Insights!

00:31:48: Wir werden nochmal ein bisschen reinhören jetzt in deine Musik.

00:31:52: Vielen Dank dass ihr sie uns zur Verfügung stellt aber man kann eigentlich nur hoffen das man dir auch mal musikalisch irgendwo begegnet.

00:32:00: also Man sollte sich wirklich darüber auf dem Laufenden halten, wo du entweder mit deiner Band oder eben auch als Komponist und Kondakter dann auftritt.

00:32:12: Vielen Dank!

00:32:13: Und viel Erfolg... Also Chris darf ich ja nicht teutäu-teutäus sagen aber als Künstler hörst du es trotzdem glaube ich gerne.

00:32:20: Ja, das höre ich sehr gerne.

00:32:21: Danke schön.

00:32:22: Ja und ich freue mich natürlich über möglichst viele Zuschauerinnen und Zuschauer im Publikum wenn wir dann dieses zehn Jahre Jubiläum der Dorothea Kantate gemeinsam begehen.

00:32:35: Da wird der Förderverein und wenn alle, die mit Bruder Klaus zu tun haben ich auch dafür sorgen dass wir da viel PR und Aufmerksamkeit generieren.

00:32:45: Schöne alles Gute vielen Dank!

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